Onlineshop gründen

Onlineshop gründen: Shopsystem, Pflichten und die ersten Kunden

Ein eigener Onlineshop ist für viele der schnellste Weg zum eigenen Unternehmen. Du brauchst kein Ladenlokal, kannst Kunden im ganzen Land erreichen und testest Produkte mit überschaubarem Risiko. Wer einen Onlineshop gründen will, steht aber vor vielen Entscheidungen: Welches Shopsystem passt? Welche Pflichten gelten? Und wie kommen die ersten Kunden?

In diesem Ratgeber erfährst du, warum sich ein Online-Business lohnt, wie du das richtige Shopsystem findest und welche rechtlichen Punkte du von Anfang an beachten solltest.

Warum sich ein Online-Business lohnt

  • Geringe Startkosten: Keine Miete für Verkaufsflächen, Software gibt es ab wenigen Euro im Monat
  • Große Reichweite: Du verkaufst rund um die Uhr, deutschlandweit oder international
  • Ortsunabhängigkeit: Arbeiten von zu Hause oder unterwegs
  • Skalierbarkeit: Mehr Bestellungen bedeuten nicht automatisch mehr Personal
  • Daten: Du siehst genau, welche Produkte, Kanäle und Preise funktionieren
  • Nebenberuflicher Start: Viele Shops beginnen abends und am Wochenende

Wie du eine Gründung mit deinem Hauptjob vereinbarst, liest du im Beitrag Gründen neben dem Vollzeitjob.

Onlineshop gründen: Die ersten Schritte

  1. Nische und Zielgruppe festlegen: Je klarer dein Fokus, desto leichter Marketing und Sortiment
  2. Produkte und Bezugsquellen klären: eigene Herstellung, Großhandel oder Dropshipping
  3. Preise kalkulieren: Einkauf, Versand, Zahlungsgebühren, Retouren und Marketing einrechnen
  4. Gewerbe anmelden und Steuern klären: viele kleine Shops starten mit der Kleinunternehmerregelung
  5. Shopsystem wählen und einrichten
  6. Rechtstexte, Zahlung und Versand einrichten
Onlineshop gründen: Gründerin verpackt Bestellungen
Foto: Dan Burton / Unsplash

Das richtige Shopsystem finden

Das Shopsystem ist die technische Grundlage deines Geschäfts. Grundsätzlich gibt es zwei Varianten:

Mietshop (Software as a Service)

Anbieter wie Shopify oder Wix stellen die komplette Technik gegen eine monatliche Gebühr bereit. Hosting, Updates und Sicherheit übernimmt der Anbieter.

  • Vorteile: schneller Start, kaum technisches Wissen nötig, planbare Kosten
  • Nachteile: laufende Gebühren, teils Transaktionskosten, weniger Kontrolle

Open-Source-Shop

Lösungen wie WooCommerce oder Shopware installierst du auf eigenem Webspace. Du hast volle Kontrolle über Design und Funktionen.

  • Vorteile: hohe Flexibilität, keine Abhängigkeit von einem Anbieter, große Auswahl an Erweiterungen
  • Nachteile: Hosting, Updates und Sicherheit liegen bei dir oder einer Agentur

Diese Kriterien helfen bei der Auswahl

  • Anzahl und Art der Produkte, etwa Varianten oder digitale Downloads
  • Gewünschte Zahlungsarten wie PayPal, Kreditkarte oder Kauf auf Rechnung
  • Schnittstellen zu Buchhaltung, Warenwirtschaft und Marktplätzen
  • Mehrsprachigkeit und internationaler Versand
  • Kosten bei 100, 1.000 und 10.000 Bestellungen im Monat

Rechtliche Pflichten für deinen Onlineshop

Im E-Commerce gelten strenge Regeln. Fehler führen schnell zu Abmahnungen.

  • Impressum: Pflichtangaben nach § 5 Digitale-Dienste-Gesetz
  • Widerrufsrecht: Verbraucher können Fernabsatzverträge nach § 312g BGB widerrufen; die Belehrung muss korrekt sein
  • Datenschutzerklärung und Cookie-Einwilligung nach DSGVO
  • AGB und Preisangaben: Endpreise inklusive Umsatzsteuer und Versandkosten klar angeben
  • Bestell-Button: eindeutig beschriftet, etwa „zahlungspflichtig bestellen“
  • Verpackungsgesetz: Registrierung im Verpackungsregister LUCID, bevor du Ware versendest

Beratung zu Gründung und Rechtsfragen bietet auch deine örtliche IHK. Viele Gründer nutzen zusätzlich Abmahnschutz-Pakete mit aktualisierten Rechtstexten.

Onlineshop gründen: Produktseite auf Laptop und Smartphone
Foto: Igor Miske / Unsplash

Geschäftsmodelle: Eigenmarke, Handel oder Dropshipping?

Bevor du einen Onlineshop gründen kannst, musst du entscheiden, woher deine Produkte kommen. Jedes Modell hat eigene Chancen und Risiken.

  • Eigenmarke: Du entwickelst oder produzierst selbst. Hohe Margen und starke Markenbindung, aber mehr Aufwand und Kapitalbedarf.
  • Klassischer Handel: Du kaufst Ware beim Großhandel oder Hersteller ein. Planbare Qualität, aber Lagerhaltung und gebundenes Kapital.
  • Dropshipping: Der Lieferant verschickt direkt an deine Kunden. Kaum Startkapital, dafür geringe Margen, wenig Kontrolle über Lieferzeiten und hoher Wettbewerb.
  • Digitale Produkte: Kurse, Vorlagen oder Software. Keine Lager- und Versandkosten, aber hoher Aufwand für Erstellung und Marketing.

Zahlung und Versand richtig aufsetzen

Kaufabbrüche entstehen häufig im Checkout. Biete deshalb die Zahlungsarten an, die deine Zielgruppe erwartet: PayPal, Kreditkarte, Apple Pay oder Google Pay und Kauf auf Rechnung über einen Zahlungsdienstleister. Achte auf die Gebühren pro Transaktion, denn sie schmälern jede Bestellung.

Beim Versand helfen dir Versandportale und Plugins, Etiketten automatisch zu erstellen und Tarife verschiedener Dienstleister zu vergleichen. Lege fest:

  • ab welchem Bestellwert der Versand kostenlos ist
  • wie schnell du Bestellungen verschickst
  • wie Retouren ablaufen und wer die Kosten trägt

Wer einen Onlineshop gründen will, sollte diese Abläufe vor dem Launch einmal komplett durchspielen – mit einer Testbestellung vom Warenkorb bis zur Retoure.

Die ersten Kunden gewinnen

Ein Shop ohne Besucher verkauft nichts. Plane Marketing von Anfang an mit ein:

  • Suchmaschinenoptimierung: Produkt- und Kategorieseiten auf Suchbegriffe ausrichten – die Grundlagen erklärt unser Ratgeber SEO für Startups
  • Social Media: Produkte zeigen, Einblicke geben und eine Community aufbauen
  • Marktplätze: Amazon, eBay oder Etsy als zusätzlicher Kanal für Reichweite
  • Newsletter: Wiederkehrende Kunden sind günstiger als neue

Genauso wichtig ist, dass Besucher auch kaufen. Wie du Produktseiten, Vertrauen und Checkout optimierst, liest du im Artikel Conversion statt Klicks.

Typische Fehler beim Shop-Start

  • Zu großes Sortiment: Lieber wenige Produkte gut präsentieren
  • Versandkosten unterschätzt: Verpackung, Porto und Retouren fressen schnell die Marge
  • Schwache Produktfotos: Im Netz ersetzen Bilder das Anfassen
  • Kein Plan für Kundenservice: Schnelle Antworten schaffen Vertrauen und gute Bewertungen

Fazit: Onlineshop gründen mit klarem Plan

Einen Onlineshop gründen ist heute einfacher als je zuvor. Entscheidend sind eine klare Nische, ein Shopsystem, das zu deinem Wachstum passt, saubere Rechtstexte und ein Marketingplan ab dem ersten Tag.

Starte klein, lerne aus den ersten Bestellungen und baue dein Online-Business Schritt für Schritt aus.

Häufige Fragen

Was kostet es, einen Onlineshop zu gründen?

Ein einfacher Mietshop ist ab etwa 20 bis 40 Euro im Monat möglich. Dazu kommen Gewerbeanmeldung, Rechtstexte, Ware, Verpackung und Marketing.

Welches Shopsystem ist für Anfänger geeignet?

Für einen schnellen Start eignen sich Mietshops wie Shopify. Wer bereits WordPress nutzt oder mehr Kontrolle möchte, wählt oft WooCommerce.

Brauche ich ein Gewerbe für einen Onlineshop?

In der Regel ja. Wer regelmäßig mit Gewinnabsicht verkauft, muss ein Gewerbe anmelden und sich beim Finanzamt registrieren.

Welche Rechtstexte braucht ein Onlineshop?

Impressum, Datenschutzerklärung, AGB, Widerrufsbelehrung und Angaben zu Versand und Zahlung. Zudem ist eine Registrierung im Verpackungsregister nötig.

Nach oben scrollen